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Auf Biegen und Brechen

Als früherer Luzerner Verkehrsdirektor kam Kurt H. Illi auf manch verrückte Idee. Jetzt wagt er sich sogar ins Metaphysische. Und will Leuten Selbstvertrauen schenken, indem er Löffel verbiegt.

Unkonventionelle Ideen hatte Kurt H. Illi, ehemals Luzerns umtriebiger Verkehrsdirektor, schon immer. Doch nun fragt ihn die «Neue Luzerner Zeitung»: «Sind Sie übergeschnappt?» Der Grund für die rhetorische Frage ist eine Veranstaltung der besonderen Art: Am 7. Mai, um 19 Uhr, leitet er im Hotel Brünig in Hergiswil ein Seminar, in dem die Teilnehmer unter Anleitung der Hypnosetherapeutin Barbara Müller-Kütt Löffel verbiegen. Auf diese Weise sollen sie Selbstvertrauen schöpfen und lernen, eigene, verborgene Kräfte zu mobilisieren. Doch für Illi, der auch im Ruhestand weder rastet noch rostet, sondern als Festredner beim Jubiläum der Schlacht bei Näfels amtet oder Topleuten an der Universität St. Gallen erzählt, wie man mit wenig Geld erfolgreich geschäftet, ist es ein Auftritt wie jeder andere auch.

Wie kommt der 73-Jährige dazu, Uri Geller und Seelenklempner in einem zu spielen?

Die pure Neugier, der Zufall und zwei Wunder sind der Grund. Ein Bekannter brachte ihn mit der 43-jährigen Hypnosetherapeutin Barbara Müller-Kütt zusammen. Er war fasziniert von ihren Fähigkeiten. Sie bildet beispielsweise Zahnarztgehilfinnen dafür aus, ihrer Kundschaft die Angst vor dem Bohrer wie die Schmerzen zu nehmen. Ein paar Gespräche, und der Abend war organisiert. Ob Kurt H. Illi lediglich als Demonstrationsobjekt auftritt oder die Massen hypnotisiert, ist noch offen. Sicher ist für ihn, dass er zum ersten Mal Löffel verbiegen wird, denn, so Illi, «das kann jeder sehr rasch lernen».

Für das Unerklärbare haben ihn zwei Erlebnisse während seiner Amtszeit empfänglich gemacht. Er brach sich die Schulter und musste kurz danach nach Hongkong reisen. Sein Hotelier schickte den Schmerzgeplagten umgehend zu einen Akupunkteur. «Dieser zückte drei dünne, 20 Zentimeter lange Nadeln, mir wurde fast schlecht vor Angst. Aber nach drei Behandlungen spürte ich nichts mehr, meine Schulter war geheilt», erzählt Kurt H. Illi. Die Therapie kostete fünf Franken.

Bei einer späteren Geschäftsreise ins feucht-heisse Schanghai mit seinen unterkühlten, klimatisierten Hotels erkrankte er an einer schweren Erkältung mit Fieber. Ein Apotheker reichte ihm eine Tüte mit 20 Kräutern, hiess ihn, einen Tee damit zu brauen und dann zu schlafen. «Ich schlief 24 Stunden durch und war danach ein neuer Mensch.» Seither vertraut er auch Unbekanntem. Würde er krank werden, stiege er ohne zu zögern ins nächste Flugzeug nach Hongkong.

Für Kurt H. Illi, der einen Kurs zur Stärkung des Selbstbewusstseins selber am allerwenigsten nötig hätte, ist dieses Seminar beileibe nicht die verrückteste Tat seines Lebens: «Die erste japanische Hochzeit, die ich auf dem Titlis mit einem Altar aus Schnee veranstaltete, war viel ausgefallener. Oder wie ich in den Arabischen Emiraten mit dem Luzerner Regen Werbung machte: zwei Wochen Luzern, garantiert inklusive dreier Tage Regen.»

Ein Guru des Übersinnlichen hat Kurt H. Illi freilich nicht vor zu werden. «Das ist eine einmalige Sache.» Andere Experimente schliesst er aber nicht aus: «Über heisse Kohlen laufen? Vielleicht später einmal, im Moment muss ich noch passen.

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